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Was machen wir eigentlich im Training?

Alena Malacarne

Alena Malacarne

6 min ・ 14. August 2026

Was machen wir eigentlich im Training?

Was machen wir eigentlich im Training?

«Bei Ihnen fühlt es sich gar nicht an wie Lernen.»

Eine Schülerin sagte einmal zu mir:

«Wissen Sie, bei Ihnen fühlt es sich gar nicht an wie Lernen.»

Im ersten Moment war da kurz die Sorge: Vertrauen Eltern in meine Arbeit, wenn ihr Kind erzählt, dass wir heute nur «gespielt» haben?

Im zweiten Moment musste ich lächeln. Lernen darf sich für ein Kind leicht und spielerisch anfühlen. Auch die Lernforschung zeigt, dass Spielen ein wertvoller Weg für Kinder ist, sich die Welt zu erschliessen, kreativ zu werden und neue Dinge auszuprobieren. Richtig eingesetzt, kann spielerisches Lernen wertvolle Brücken zu mathematischem Lernen schlagen.

Der Aufbau einer 60-minütigen Trainingsstunde ist immer ähnlich. Welche Inhalte dabei im Mittelpunkt stehen und in welcher Reihenfolge ich sie aufgreife, richtet sich nach den individuellen Voraussetzungen Ihres Kindes. Die pädagogische Lernstandsanalyse, die ich zu Beginn immer durchführe, hilft mir dabei, genau diese Schwerpunkte zu erkennen.

Denn bestimmte Fähigkeiten bauen aufeinander auf: So wäre es unüberlegt, mit einem Kind Rechenstrategien zu trainieren, wenn die grundlegenden Vorstellungen von Zahlen noch nicht sicher vorhanden sind. Deshalb setze ich dort an, wo Ihr Kind gerade steht, und baue Schritt für Schritt darauf auf, mit dem Ziel, ein sicheres und tragfähiges Fundament zu schaffen.

1. Ankommen und Fokussieren

Zu Beginn nehmen wir uns erst einmal Zeit zum Ankommen. Wir richten gemeinsam unsere Materialien her und tauschen uns kurz aus.

Wie war die Schulwoche? Was beschäftigt das Kind gerade? Gab es etwas Besonderes? Ist es heute müde oder vielleicht voller Energie?

All das kann Einfluss darauf haben, wie gut ein Kind sich konzentrieren kann.

Zum Ankommen und Fokussieren starten wir meist mit einer kurzen Aufmerksamkeitsübung, z. B. einem kleinen Reaktionsspiel. Zu den absoluten Lieblingsspielen der Kinder gehören Geistesblitz oder Dobble!

2. Wahrnehmung spielerisch trainieren

Je nach Kind nehmen wir uns im Training auch Zeit für verschiedene Teilleistungen. Damit sind grundlegende Fähigkeiten gemeint, die für das Lernen eine wichtige Rolle spielen.

Dazu gehören beispielsweise verschiedene Bereiche der visuellen Wahrnehmung wie die visuelle Differenzierung, das visuelle Gedächtnis und die visuelle Serialität. Auch die auditive Wahrnehmung kann eine Rolle spielen, etwa die akustische Differenzierung, das akustische Gedächtnis oder die akustische Serialität. Ergänzt wird dies durch Bereiche der Raumwahrnehmung, zum Beispiel die Raumorientierung und das Körperschema.

Was sich hinter diesen genannten Teilleistungen verbirgt, lässt sich gut an einem Beispiel zeigen: Visuelle Differenzierung bedeutet, feine Unterschiede zwischen ähnlichen Bildern, Formen oder Symbolen zu erkennen. Das ist auch für Mathematik wichtig, um Zahlen, Rechenzeichen, Formen oder Mengenbilder sicher zu unterscheiden.

In einer spielerischen Übung sucht das Kind nach kleinen Veränderungen in ähnlichen Mustern. Ein Punkt fehlt, eine Linie zeigt in eine andere Richtung oder ein Muster wurde gespiegelt. Auch mit dem Spiel BrainBox lässt sich diese Fähigkeit spielerisch trainieren. Dabei übt das Kind, genau hinzuschauen, sich visuelle Informationen zu merken und Unterschiede zu erkennen. Das sind wichtige Grundlagen für das mathematische Lernen.

Welche Bereiche wir trainieren, richtet sich immer nach den individuellen Bedürfnissen des Kindes. Gezielte Aufgaben helfen uns dabei, herauszufinden, wo noch Trainingsbedarf besteht. Solche Übungen eignen sich auch wunderbar für den Einsatz zu Hause.

3. Mathematik verstehen und eigene Wege entdecken

Im mathematischen Teil ist mir besonders wichtig, dass ein Kind sich selbstwirksam erlebt. Es soll erfahren: Ich kann Mathematik verstehen. Ich kann eigene Lösungswege finden.

Deshalb stülpe ich einem Kind nicht einfach eine fertige Strategie über. Wenn ein Kind beispielsweise eine Minusaufgabe auf eine bestimmte Art rechnet, schauen wir uns zunächst gemeinsam an:

«Hey, wie rechnest du das eigentlich? Und warum machst du das so?»

Wir versuchen zu verstehen, was hinter dem bisherigen Lösungsweg steckt. Erst dann überlegen wir gemeinsam, ob es vielleicht einen geschickteren oder sichereren Weg gibt – und vor allem: Warum könnte dieser Weg sinnvoll sein?

Ich möchte Kindern Raum geben, mathematische Strukturen und Lösungswege möglichst selbst zu entdecken. Meine Aufgabe sehe ich nicht darin, möglichst schnell den «richtigen» Rechenweg vorzugeben, sondern darin, gute Fragen zu stellen, Denkanstösse zu geben und das Kind beim eigenen Entdecken zu begleiten.

So kann beispielsweise ein Blitzblicktraining am Anfang stehen. Später arbeiten wir vielleicht an Rechenstrategien oder anderen mathematischen Grundlagen. Was wir üben, richtet sich immer danach, wo das Kind gerade steht und was es als Nächstes benötigt.

Und genau deshalb darf eine Trainingsstunde manchmal aussehen, als würden wir einfach nur spielen.

Denn hinter dem Spiel steckt ein Ziel. Hinter jeder Übung steckt eine Überlegung. Und hinter jedem Material steckt die Frage:

Was braucht dieses Kind gerade, damit Lernen gelingt?

Nach einer Trainingsstunde fasse ich zusammen, womit wir uns beschäftigt haben. Auf Wunsch gibt es eine kleine Übung für zu Hause.